Was wäre wenn Du jedes Jahr bei den Verhandlungen um Deine Gehaltserhöhung noch ein klein wenig besser abschneiden würdest?
Nicht viel – sagen wir, Du verkaufst Dich und Deine Leistungen um 50 Euro mehr pro Monat. Zusätzlich zu etwaigen sonstigen Gehaltserhöhungen.
Und dasselbe im Jahr darauf wieder. Und das folgende Jahr erneut.
Wie viel kommt da im Laufe eines Arbeitslebens zustande? Sagen wir nach 40 Jahren?

 

Na komm, gib mal einen Tipp ab! Spaßeshalber. Hört ja keiner.

 

Ich hab nachgerechnet.
Fast eine halbe Million.
492.000 Euro, um genau zu sein.
Hättest jetzt nicht gedacht, oder?
Ich auch nicht.
Deswegen hab ich mehrmals nachgerechnet. Auf unterschiedlichen Wegen. Und: Hilft alles nichts, es stimmt.
Es wird auch rasch plausibel, wenn man sich vor Augen hält, dass jemand, dessen Gehaltserhöhung jedes Jahr 50 Euro höher ausfällt, nach 40 Jahren schon 2.000 Euro mehr pro Monat bekommt. 24.000 Euro im Jahr. Da kommt was zusammen.
(Für Skeptiker: Das hat übrigens nichts mit den illusorischen Berechnungen der Finanzmathematiker zu tun. Da ist keine Exponentialfunktion in der Berechnung).

 

Mit monatlich 50 Euro plus – einmal jährlich clever verhandelt, kommst also auf eine knappe halbe Million Euro.
Wer es gleich auf eine ganze Million bringen will, muss sich etwas mehr anstrengen – dazu sind schon 100 Euro plus im Monat fällig. Das wird schon schwieriger – klingt aber immer noch machbar.
Wer natürlich schon mitten im Berufsleben steht, hat nicht mehr ganz so viel Zeit, aber die Arbeitsleben werden ja sowieso immer länger.

 

Das klingt doch nach einer passablen Methode, weil
  • risikolos. Schlimmstenfalls gibts eben nichts, dann steht man eben genauso gut da wie ohne Verhandlung.
  • wenig Aufwand. Ein paar Stunden gezielte Vorbereitung, einmal im Jahr. Bequemer kommt man wohl kaum zur Million.
  • kalkulierbar, einfach und legal.
Der Haken: Ein wenig Verkaufsgeschick in eigener Sache ist schon nötig.
Damit es also beim nächsten Mal etwas besser klappt beim Sich-selbst-verkaufen hier ein paar Tipps:

 

Zuerst: Was meist NICHT gut funktioniert, auch bekannt als ‚Die üblichen Argumente‘

 

„Ich setzte mich besonders für die Firma ein“
Das Argument zieht nur bei denen, die wirklich zu den 5% gehören, die praktisch für die Firma leben. Überdurchschnittlicher Einsatz ist mit dem Gehalt schon abgegolten. Und dass es viele gibt, die weniger leisten, hilft der eigenen Gehaltserhöhung auch nicht weiter.

 

„Ich bin wertvoll für die Firma“
Sagt wer? Wenn Du alleine 50% vom Firmenumsatz im Vertrieb heran karrst, dann ist das wohl so. Dann brauchst Du aber sicher nicht um 50 Euro diskutieren. Sonst ist das mit dem Wertvoll-Sein oft schwierig zu beweisen. Abgesehen davon: wenn Deinem Chef die Firma nicht gehört, dann zieht das Argument vermutlich nicht so toll, wie Du vielleicht denkst.

 

„Der Kollege Müller verdient mehr als ich bei gleicher Leistung. Das ist unfair.“
Angenommen, der Boss stimmt dem sogar zu. Dann kann er sich jetzt schon ausrechnen, dass in kurzer Zeit der nächste dasteht und sich darüber beschwert, dass Du jetzt mehr verdienst. Und dass das auch unfair ist. Gehälter sind nie fair – damit haben sich die meisten Führungskräfte schon abgefunden.

 

„Ich würde mich noch mehr einsetzen.“
Aha, da sind also noch Leistungsreserven da, die von Dir bisher zurück gehalten wurden. Gut zu wissen. Nein im Ernst, vergiss diese Argumentation. ‚Mehr einsetzen’, das ist so vage, da musst Du schon ordentlich reinklotzen, damit das zieht. Und das jedes Jahr aufs Neue, 40 Jahre lang. Überleg Dir das lieber noch mal.

 

„Laut Gehaltsspiegel verdiene ich unterm Durchschnitt.“
(Gibt es auch in der Variante: „Ein Bekannter von mir in der Firma XY macht einen ähnlichen Job und verdient mehr als ich.“)
Großartig. Jetzt hast Du eine Diskussion über verzerrte Messwerte, nicht vergleichbare Leistungskriterien, Standortdifferenzen und nicht-gehaltsbezogene Vorteile losgetreten. Ich bin gespannt, wie Du daraus jetzt noch eine Gehaltserhöhung machst.

 

„Ich bin schon so lange dabei und meine letzte Gehaltserhöhung liegt schon mehrere Jahre zurück.“
Das nennt sich nicht verhandeln, sondern jammern. Hast Du nicht nötig. Mehr Geld gibts dafür meistens auch nicht.

 

„Meine Kosten steigen.“
Das trifft auf alle zu. Wenn der Chef das Argument durchlässt, kann er gleich alle Gehälter anheben – und das wird er nicht wollen. Ausnahme: Du verdienst wirklich so wenig, dass Du kaum noch über die Runden kommst und Du Dir schon Grundlegendes nicht mehr leisten kannst.

 

Das Problem bei all diesen Verhandlungspositionen ist, dass sie defensiv sind. Viel besser ist, du gehst in Vorleistung – oder bietest diese an. Damit schaut das Ganze wirklich wie ein Handel aus und Du behaltest die Kontrolle. Aus dem Grund ist es auch wichtig, dass Du Dir aktiv etwas aussuchst, was Du anbieten willst.

 

Hier ein paar Argumente, die deswegen wesentlich besser ziehen

 

„Ich könnte in Zukunft (kleine, aber ungeliebte) Aufgabe Y übernehmen.“
Ein lästiges Problem weniger, um das sich der Chef nicht mehr kümmern muss? Dafür lassen viele gerne was springen. Nebenbei zeigst Du Engagement.

 

„Es gibt bei uns niemanden, der sich mit X auskennt, deswegen haben wir regelmäßig Schwierigkeiten. Ich könnte mich da einarbeiten.“
Damit willst Du keine Gehaltserhöhung, sondern eine Weiterentwicklung, die sich sofort für das Unternehmen auszahlt.

 

„Immer, wenn Z passiert, müssen wir einen Techniker kommen lassen. Dabei ist das gar nicht so kompliziert. Ich denke, ich könnte das mit ein wenig Einschulung auch übernehmen. Damit würden wir sicher viel Geld sparen.“
Das keine Gehaltserhöhung, sondern ein gutes Geschäft für den Chef.

 

Nachdem in den meisten Unternehmen vieles nicht optimal läuft – oder leicht zu optimieren ist – fällt Dir sicher etwas ein, das Du anbieten kannst.

 

Jetzt kannst Du natürlich argumentieren:
  • Da habe ich ja mehr Arbeit
  • Ich will das nicht machen, das ist nicht mein Job
  • Da profitiert das Unternehmen ja mehr als ich

 

Alles richtig.
Vielleicht ist das alles unfair.
Und es muss ja auch nicht sein.
Die Entscheidung kann Dir niemand abnehmen.
Ist ja Deine halbe Million.

 

Herzlichst,
Dein Alex